Ein transnationales Bildungsprojekt zu Nationalsozialismus, Holocaust, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung
Wie kann die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus junge Menschen dabei unterstützen, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen? Wie entsteht eine Erinnerungskultur, die nicht bei der Vermittlung historischen Wissens stehen bleibt? Was hat das mit Demokratie, Ausgrenzung, Menschenwürde und persönlichem Handeln zu tun?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich ProMemoria Auschwitz – Die Reise der Erinnerung. Das transnationale Bildungs- und Jugendpartizipationsprojekt richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 23 Jahren aus Tirol und wird in Zusammenarbeit mit der italienischen Partnerorganisation DEINA umgesetzt. Es verbindet historische und politische Bildung mit persönlicher Reflexion, gemeinschaftlichem Lernen und grenzüberschreitendem Austausch.
Das Projekt
Im Zentrum des Projekts stehen eine Reise nach Krakau und der ganztägige Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Sie sind jedoch nicht als isolierte Exkursion gedacht, sondern in einen längerfristigen Lernprozess eingebettet.
In einem Vorbereitungsseminar setzen sich die Teilnehmenden mit historischen Hintergründen sowie persönlichen und gesellschaftlichen Bezügen zur Geschichte und bereiten sich inhaltlich wie auch als Gruppe auf die gemeinsame Reise vor.
In Krakau erkunden sie die Stadt und ihre Geschichte, besuchen historische Orte und setzen sich mit den Spuren des Nationalsozialismus und dem jüdischen Leben auseinander. Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und der Bedeutung des Gedenkens. Gemeinsame Reflexionsphasen und der Austausch mit jungen Menschen aus Südtirol und dem Trentino ergänzen das Programm.
Das Nachbereitungsseminar bietet Raum, die Erfahrungen der Reise einzuordnen, offene Fragen weiterzuverfolgen und Verbindungen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herzustellen. Bei einer abschließenden Präsentation teilen die Teilnehmenden ihre Erkenntnisse und Erfahrungen mit einem erweiterten Publikum.
Partizipation als Grundlage des Lernens
ProMemoria versteht junge Menschen nicht nur als Empfänger:innen von Wissen, sondern als aktive Mitgestalter:innen des Bildungsprozesses. Ihre Fragen, Interessen und Perspektiven fließen in die gemeinsame Auseinandersetzung ein. Die Arbeit in beständigen Kleingruppen, Diskussionen, Workshops sowie individuelle und gemeinsame Reflexionsphasen schaffen Möglichkeiten, eigene Positionen zu entwickeln und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen.
Das Projekt möchte dazu beitragen, historisches Wissen zu vertiefen, kritisches Denken zu stärken und gesellschaftliche Zusammenhänge besser verständlich zu machen. Es fördert die Auseinandersetzung mit Demokratie und Verantwortung, unterstützt die Entwicklung eigener Handlungsmöglichkeiten und schafft Begegnungen über Sprach- und Landesgrenzen hinweg.
Erinnerung als Auftrag für die Gegenwart
Der Besuch einer Gedenkstätte allein garantiert noch keine nachhaltige Auseinandersetzung mit Geschichte. Deshalb setzt ProMemoria auf die Verbindung von Wissensvermittlung, persönlicher Reflexion und gemeinschaftlichem Lernen. Die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus wird mit Fragen nach gegenwärtigen Formen von Antisemitismus, Diskriminierung und Ausgrenzung verknüpft.
ProMemoria Auschwitz möchte junge Menschen darin bestärken, Geschichte kritisch zu betrachten, eigene Standpunkte zu entwickeln und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Erinnerung wird dabei als gemeinsamer Auftrag verstanden: Sie richtet den Blick auf die Vergangenheit und fordert zugleich dazu auf, die Gegenwart bewusst mitzugestalten.
ProMemoria Auschwitz 2027
Die Reise der Erinnerung findet auch nächstes Jahr wieder statt.
Termine
Für eine erfolgreiche Anmeldung ist es notwendig an allen Terminen teilnehmen zu können.
| Datum | Ort | |
|---|---|---|
| Vorbereitungsseminar | 06.02.2027 bis 07.02.2027 | in Innsbruck |
| Reise | 03.03.2027 bis 08.03.2027 | nach Krakau |
| Nachbereitungsseminar | 03.04.2027 bis 04.04.2027 | bei Stainach am Brenner |
| Abschluss | 17.04.2027 | in Innsbruck |
Anmeldung
Noch paar Infos zur Anmeldung hier einfügen
Eindrücke der letzten Jahre
Stimmen von Teilnehmenden
“Es war eine internationale Erfahrung. Ich war sowohl beeindruckt, aber auch geschockt, was dort passierte.
Ein besonders trauriges Erlebnis waren die Kinderzeichnungen an der Wand. Ein Bild zeigt erhängte Menschen mit einigen SS-Soldaten daneben.
Ich finde, dass ein Kind diese Erfahrung nie erleben sollte und finde, dass die Kinder harte Zeiten erlebt haben, die einen sie überlebt haben und andere wiederrum gestorben sind.”
“Ich war heute an einem Ort, dem die Liebe entzogen wurde. Ich fühle mich, als stünde ich vor einem Abgrund, am Rande eines Kraters, eines Lochs, in dem die Menschlichkeit begraben und das mit Hass und Gewalt gefüllt war. Ich balancierte and diesem Abgrund entlang, meine Schritte waren unsicher, zögerlich. Und dann wagte ich es: Ich warf einen, zwei Blicke hinunter, die Leere brannte, das Loch brannte in mir auf. Die Fragen überschlugen sich, umkreisten das Loch, wie warum weshalb um alles in der Welt, in dieser schönen Welt die uns Herzen geschenkt hat. Ich verstand nichts mehr.
Ich war heute an einem Ort, dem die Liebe entzogen wurde. Dann schaute ich mich um und lehnte mich an dir an. Atmete tief ein und spürte sie. Das Loch in mir begann sich zu schließen, die Fragen jedoch blieben.”
“Ich fühle eine Leere in mir. Dort wo die letzten Tage Freude war, muss ich jetzt immer daran denken, wie viele Menschen, Individuen ihr Leben ohne bestimmten Grund lassen mussten. Außerdem bin ich dankbar, dass diese Zeit vorbei ist und wir so etwas schlimmes, wie den Holocaust, nie wieder durchleben müssen. Um das zu garantieren muss die Welt aber aufwachen. Viele denken, dass es heute niemals passieren könnte. Das reicht aber nicht. Man muss sich erinnern und aus der Vergangenheit lernen. Diese Bitte habe ich an jeden einzelnen Menschen auf dieser Welt.”
“Auf mich wirkt alles immer noch so unwirklich. Die Zahl der Opfer allein in Auschwitz, wirkt zu groß. Die Leben, die so selbstverständlich genommen wurden, die Familien, die auseinander gerissen wurden und von heute auf morgen nicht mehr existierten und die Kinder die nie ein anderes „Leben“ kennengelernt haben und dazu auch nie die Chance hatten – und das nur wegen unseren Vorfahren.
Ich bin traurig, dass so etwas passieren konnte und habe Angst, dass sich so etwas wiederholen wird. Die Angst ist auch berechtigt, denn Aussagen wie „man muss Flüchtlinge konzentriert unterbringen“ zeigen, dass der Hass auf ethnische Minderheiten immer noch vorhanden ist.”
“Das hab ich auf dem Weg hierher in meinem Handynotizen niedergeschrieben: […] Der Bus summt leise auf unserem Weg nach Auschwitz und es kommt mir alles so surreal vor. Ganz kann ich es nicht begreifen und ich hoffe ich werde es dort. Wie wird es werden? Bis Bald.
Ich habe es nicht begriffen. Mehr, aber nicht ganz. 6 Millionen Juden! Menschen! Lebewesen! Warum? Machtgeilheit, Fremdenhass, Xenophobie? Deswegen? Ich empfand dies als pure Grausamkeit. Ich verstehe es einfach nicht und dieser Weltschmerz macht mich fertig. Ich bin so sauer, so enttäuscht, so entsetzt, erschüttert und herzzerrissen. Ich will einfach nur heulen. Mich verkriechen und wieder rauskommen, wenn die Menschheit wieder Mensch ist.
Auf der anderen Seite will ich mich entschuldigen, Es tut mir so leid!! All die Menschen, die sich, ihre Familien, ihren Glauben (an die Menschheit), ihre Kultur und alles Menschliche verloren haben – sind hoffnungslos verloren. Wie kann man so etwas gut machen? Wie kann man so etwas verzeihen? Die Phrasen: „Man soll daraus lernen“ / „Sich weiterbilden und so etwas präventieren.“, stimmen vollkommen. Aber das macht nichts gut. Was soll man darauf denn nur sagen? Ich könnte nur schweigend verbleiben.
All das was wir heute gesehen haben war unfassbar und es schmerzt, aber allein habe ich mich nie gefühlt. Einen Ehrlichen Dank dafür.”
“Ich fühle mich leer. Ich bin verwirrt und weiß nicht wie ich meine Gedanken und Gefühle ordnen soll. Es herrscht Chaos in meinem Kopf und ich fühle mich so, als würde ich nicht damit umgehen können. So ein Gefühl hatte ich nicht oft in meinem Leben. Heute gab es sehr viele Informationen – eventuell etwas zu intensiv und zu viel – Für mich war es zu viel auf einmal.”
“Für mich war dieser Tag anstrengend, aber auch lehrreich, nicht nur im intellektuellen Sinn, sondern viel mehr auch über mich. Ich bin total ausgelaugt und merke wie sich mein Kopf von dem gerade Erlebten distanziert. Zu schrecklich sind die Bilder, die ich heute gesehen, die Geschichten die ich heute gehört habe. Ich vermag gar nicht mir vorzustellen, wie es den Leuten gegangen sein mag, die diese Sachen am eigenen Leib erfahren mussten. Welche Traumata und bleibende Schäden, die die Nachgenerationen prägten und prägen, entstanden sein müssen.
Was müssen diese Menschen erlebt und gesehen und vor allem gefühlt und gedacht haben, dass sie lieber in den Stacheldrahtzaun rannten, als noch länger im KZ zu bleiben?
Für mich sind diese Erlebnisse großenteils nicht greifbar. Nur in einzelnen Momenten ist diese grausame Realität zu mir durchgedrungen und selbst da schien es für mich noch total surreal.
Ich verstehe auch noch absolut nicht, wie Menschen so grausame Taten begehen können, glaube jedoch, dass diese Menschen nicht durch und durch schlecht waren. Ihre Taten sind auf jeden Fall zu verurteilen, ich glaube jedoch, dass sie, wie Hannah Arendt die „Banalität des Bösen“ beschreibt, nicht von Grund auf Böse sind, sondern die Konsequenzen ihrer Taten ihnen nicht bewusst waren, sie sie verdrängt haben und auch aus persönlicher Not gehandelt haben.
Ich muss es dabei belassen, da ich merke, wie ich psychisch meine Grenzen erreiche und es für heute genug ist.”